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Lebensgeschichten  |  01


Die junge Mutter Frau T. ist das einzige Kind der Familie. Beide Eltern stammen aus gut bürgerlichen Familien. Frau T. musste bereits in frühester Kindheit viel häusliche Gewalt zwischen den Eltern miterleben. Als sie ca. 3 Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern. Der neue Partner der Mutter, zu dem sie eine gute Beziehung aufbauen konnte, war ein bekannter Dealer und Zuhälter in Frankfurt und gehörte einer Rockerbande an. Der Familie ging es aber gut. Zu ihrem leiblichen Vater hatte sie nur sehr spärlich Kontakt.

Als Frau T. ca. 6 Jahre alt war, wurde ihr Stiefvater erschossen. Mutter und Tochter mussten innerhalb kurzer Zeit das Haus verlassen. Alles wurde verkauft, Mutter und Tochter landeten im ALG II Bezug.

Ab dem 13. Lebensjahr fing die junge Frau T. an, die Schule zu schwänzen, sie kiffte regelmäßig und begann zu dealen. Sie lebte mehr auf der Straße als zuhause. Ihre Mutter war zu diesem Zeitpunkt kaum emotional erreichbar. Das Jugendamt wurde eingeschaltet. Die Jugendliche besuchte wieder häufiger die Schule, sie machte ihren Hauptschulabschluss.

Ohne Zukunftsperspektive und ohne Struktur in ihrem Leben konsumierte sie Drogen, hatte wechselnde sexuelle Beziehungen und wurde mit 18 schwanger. Zu diesem Zeitpunkt ging eine Meldung an die Frühen Hilfen des Gesundheitsamtes und begann die Arbeit mit einer Familienhebamme. Über das Jugendamt erhielt Frau T. mit ihrem Kind eine eigene Wohnung. Frau T. lebte mit Herrn B. zusammen, der nicht der leibliche Vater ihres Kindes war. Es kam zu einem Zwischenfall: Herr B. ist Frau T. gegenüber gewalttätig geworden und der 9 Monate alte Säugling fiel der Mutter vom Schoß. Frau T. und ihre Tochter wurden stationär in die Kinderklinik eingewiesen mit Verdacht auf Kindesmisshandlung. Der Verdacht bestätigte sich nicht. Die junge Mutter und ihr Kind kamen zunächst ins Frauenhaus und von dort in eine Mutter-Kind-Einrichtung. Dort blieb sie 1 ½ Jahre, gegen Ende ihres Aufenthaltes erfolgte eine stationäre psychotherapeutische Behandlung.

Nach der Entlassung zog Frau T. mit ihrem Baby wieder an ihren Heimatort in die Nähe ihrer Mutter und deren Lebensgefährten. Frau T. konsumierte keine Drogen mehr, war aber depressiv und hatte große Ängste vor der Einsamkeit. Frau T. und ihre Tochter wurden weiterhin vom Jugendamt betreut und durch dessen Betreuung fing die Zusammenarbeit mit der Stiftung Starke Bande an.

Zu diesem Zeitpunkt wirkte Frau T. ungepflegt, hatte keinen strukturierten Tagesablauf und keine Vorstellung ihrer Zukunft. Sie litt unter Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten, hatte Panikattacken, litt unter Zeitverlusten und bruchstückhaften Erinnerungen aus ihrer Kindheit.

Innerhalb der Psychotherapie erfolgte eine Stabilisierung der Mutter. Es fand eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt statt. Innerhalb des ersten halben Jahres konnte sie eine Ausbildung für berufstätige Mütter beginnen.

Der Therapieverlauf war keineswegs geradlinig. Die Beziehung zwischen ihr und ihrem Kind gestaltete sich auch schwierig. In der Therapie wurden, neben der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, immer wieder aktuelle Themen behandelt. Ihr Kind konnte im Alter von 3 Jahren in einen sehr guten Kindergarten wechseln. Der Umgang mit den Kindern und Erziehern wirkte sich positiv auf die Entwicklung des Kindes aus. Frau T. schaffte es im Verlauf, selbstständig ihre Termine zu organisieren. Die Zwischenprüfung der im Jahr 2011 gestarteten Ausbildung konnte die Mutter mit der Note 2 abschließen.

Frau T. fand einen Partner, der eine abgeschlossene Ausbildung hatte und psychisch stabil war. Mit ihm ist sie nach wie vor zusammen. Ende 2012 beendete das Jugendamt die Maßnahme mit der sozialpädagogischen Familienhilfe. Frau T. konnte im Verlauf der Psychotherapie die Beziehung zu ihrer Mutter verbessern, so dass ihr Kind eine gute Beziehung zu den Großeltern aufbauen konnte. Die Beziehung zu ihrem leiblichen Vater konnte Frau T. kritisch hinterfragen und eine andere Einstellung zu ihm gewinnen, so dass sie nicht mehr das Verlangen hat, er müsste das in der Vergangenheit Geschehene wieder gut machen.

Am Ende der Therapie hat sie eine gute Beziehung zu ihrem Kind. Sie ist in der Lage, ihr Kind in Stresssituationen zu unterstützen, zeigt Grenzen auf, geht liebevoll mit ihm um, sie kann mit ihrem Kind spielen und es fördern. Sie selber ist eine selbstbewusste junge Frau geworden, die ihre Vergangenheit im therapeutischen Setting aufgearbeitet hat und diese als einen Teil von sich selbst sieht.